Deutschland braucht mehr Hochschulabsolventen

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Martin Habersaat:
Die diesjährige Konferenz der sozialdemokratischen Wissenschaftspolitiker aus Bund und Ländern in Wiesbaden war sich darüber einig, dass Bund und Länder darin zusammenarbeiten müssen, den Anteil der jungen Menschen, die an der Schule die Hochschulzugangsberechtigung erwerben und dann auch ein Studium absolvieren, deutlich zu erhöhen. Deutschland kann sich ein Hinterherhinken zwischen den europäischen Werten nicht länger leisten. In Deutschland hat sich der Anteil der jungen Leute mit allgemeinem oder Fachabitur in den letzten Jahren auf 25 % erhöht, im Schnitt der OECD-Länder allerdings auf 38 %.

Deswegen muss das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Schulpolitik, das vor einigen Jahren ins Grundgesetz aufgenommen wurde, wieder aufgehoben werden, wenn man nicht ein Auseinanderdriften der Bundesländer hinnehmen will.

 Die materielle Absicherung des Studiums muss Priorität haben; das BAföG muss deshalb regelmäßig angepasst werden; ein Stipendienprogramm des Bundes für besonders leistungsstarke Studierende ist demgegenüber nachrangig.

 Wir müssen in den Bundesländern stärker darauf achten, dass die Studiengänge, die im Rahmen des Bologna-Prozesses neu gestaltet wurden, auch tatsächlich mit Erfolg studiert werden können. Dies ist an vielen Hochschulen und in vielen Fachbereichen nicht immer der Fall; deswegen brechen viele Studierende ihr Studium ab oder legen ihre Abschlussprüfungen mit Verspätung ab. Das ist nicht nur Vergeudung von Ressourcen, sondern auch von Lebenszeit.