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Wir machen uns stark für Erzieherinnen und Erzieher

TOP31 Praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher (Drs-Nr. 18/5155, 18/5233)

Rede wurde  zu Protokoll gegeben!

Die Ausbildung der künftigen Erzieherinnen und Erzieher beschäftigt uns seit langem. Wir haben in diesem Bereich einen Fachkräftemangel, der nicht in erster Linie etwas damit zu tun hätte, dass zu wenige Menschen ein Interesse daran hätten mit kleinen Kindern zu arbeiten. Das Problem liegt in einer verhältnismäßig langen Ausbildung, an die sich zwar gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, aber leider nur recht geringe Einkommen anschließen. Und es gibt nur wenige Aufstiegschancen in Positionen, die mehr Verantwortung auch mit mehr Geld belohnen.

Es geht heute zur Abwechslung einmal nicht um die Frage, inwieweit die Erzieherausbildung ganz oder teilweise akademisiert werden sollte. Bei uns findet die Ausbildung zum Erzieher oder zur Erzieherin in der Fachschule für Sozialpädagogik statt, wobei im Laufe von drei Jahren fast 4.000 Unterrichtsstunden abzuleisten sind. Hingegen sind für sozialpädagogische Assistentinnen und Assistenten rund 2.500 Stunden innerhalb von zwei Jahren vorgesehen.

Grundlage für alle Ausbildungswege einschließlich der beiden in unserem Land durchgeführten Modellprogramme ist das Schulgesetz, aber auch die Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz über die Fachschulen sowie der Orientierungsrahmen „Bildung und Erziehung in der Kindheit“, auf die sich die Kultusministerkonferenz und die Konferenz der Jugend- und Familienminister verständigt haben.

Im Rahmen der schleswig-holsteinischen Gesetze und Verordnungen kann auch das in Baden-Württemberg seit einigen Jahren umgesetzte Modell der „Praxisintegrierten Ausbildung zum Erzieher“ realisiert werden. Aus unserer Sicht gibt es unter den verschiedenen Modellen keinen Königsweg. Dass das baden-württembergische Modell attraktiv ist, bezweifelt niemand, aber es ist nicht alternativlos, um das mit Recht von der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ 2010 zum Unwort des Jahres gekürte Wort zu gebrauchen. Nichts ist so gut, dass es nichts Besseres gäbe.

Wir möchten deshalb einen etwas anderen Weg gehen und die Landesregierung auffordern, in den zuständigen Ausschüssen sowohl über das PiA-Modell als auch über die beiden Modellversuche in Schleswig-Holstein, nämlich die Maßnahme über die Berufsagentur für Arbeit und das Projekt „Questo“, das mit ESF-Mitteln finanziert wird, zu berichten. Dabei sind wir uns – glaube ich – in dem Ziel einig, das wir im ersten Absatz unseres Antrages formulieren – nämlich die Plätze an den Fachschulen und Berufsfachschulen sowohl für sozialpädagogische Assistenten als auch für Erzieher bedarfsgerecht auszubauen.

Was wir nicht wollen wären Modelle, mit denen sich die Erzieherausbildung in Schleswig-Holstein isolieren würde und durch die bei uns ausgebildete Erzieher außerhalb der Landesgrenzen nur eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt hätten.

Was wir wollen ist die Bindung der künftigen Erzieher an ihren eigentlichen Arbeitsbereich, nämlich die Einrichtungen für Kinder, zu verstärken und ihrer Umorientierung auf andere Arbeitsfelder vorzubeugen.

Ich denke, dass für eine solche Berichterstattung im Bildungs- und im Sozialausschuss noch ausreichende Zeit vorhanden ist. Im Übrigen steht es den Ausschüssen auch in der 19. Legislaturperiode frei, diese Thematik auf dem Wege des Selbstverfassungsrechtes aufzurufen. Dass uns der Fachkräftemangel in diesem Bereich auch in Zukunft beschäftigen wird, ist sicher.

Ich bitte Sie um Zustimmung zu unserem Antrag und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.