PDF-Version Drucken

Qualifikation messen, nicht abgesessene Stunden zählen!

Zur neuerlichen Diskussion über eine Wiedereinführung starrer Anwesenheitspflichten bei Lehrveranstaltungen in Hochschulen erklärt der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Heiner Dunckel:

"Die Küstenkoalition hat es sich vor gut zwei Jahren nicht leicht gemacht, als sie die starre Anwesenheitsverpflichtung für bestimmte Lehrveranstaltungen an Hochschulen strich. Das war kein Aufruf zu Faulheit und Nichtstun, sondern trug den veränderten Lebensbedingungen der heutigen Studierenden Rechnung.

Es kann nicht so sein, dass ein Seminarschein versagt wird, wenn z.B. eine Seminarteilnehmerin mit ihrem kranken Kind mehrmals zum Arzt muss und deshalb mehr als zwei Seminarsitzungen versäumt. Aber selbstverständlich ist sie in einem solchen Fall verpflichtet, sich den Lernstoff, den sie verpasst hat, durch eigenständige Arbeit anzueignen und dieselben Qualifikationen nachzuweisen wie die Studierenden, die alle Seminarsitzungen besucht haben.

Aus meiner eigenen Erfahrung als Hochschullehrer weiß ich, dass ein Seminarbesuch nicht unbedingt durch die Zahl der besuchten Seminarsitzungen erfolgreicher wird.

Entscheidend sind Motivation und Engagement. Dazu gehört auch, sich mit den Kommilitonen und Dozenten im Seminar direkt und kritisch auszutauschen. Wenn ein Seminar das leistet, dann kommen die Studierenden auch.

Es ist an den Haaren herbeigezogen, wenn Wissenschaftsministerin Prien (CDU) einen Zusammenhang zwischen der Studienabbrecherquote und der fehlenden Anwesenheitspflicht konstruiert. Der Landtag hat sich schon lange Zeit, bevor Frau Prien sich von Hamburg nach Kiel verirrt hat, mit den vielfältigen Ursachen von Studienabbrüchen beschäftigt, die auch schon hoch waren, als die Anwesenheitspflicht strikt durchgesetzt wurde.

Ich weiß mich hier mit Lasse Petersdotter, dem hochschulpolitischen Sprecher von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, einig, dessen Presseerklärung erkennen lässt, dass die GRÜNEN offensichtlich noch nicht alles vergessen haben, was sie in der vergangenen Legislaturperiode durchgesetzt haben.

Einmal mehr lässt sich erkennen, dass offensichtliche Unterschiede zwischen den Jamaikanern im Koalitionsvertrag nur oberflächlich übertüncht wurden."