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MINT-Fächer richten sich nicht nur an Hochbegabte

TOP 32 + 68 + 72: Begabtenförderung und MINT-Fächer (Drs-Nr. 18/5156, 18/5051, 18/5141)

Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

Nach dem Willen des Ältestenrates ist einmal wieder zusammengewachsen, was definitiv nicht zusammengehört. Es darf gar nicht erst der Eindruck entstehen, als seien die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer in erster Linie etwas für Schülerinnen und Schüler mit besonderer Begabung, während die Fremdsprachen, die sozialwissenschaftlichen und die kulturell bildenden Fächer nur zur Bespaßung der durchschnittlich Begabten und der intellektuell besonders Herausgeforderten da seien. Das würde ich mir als Geschichtslehrer jedenfalls nicht bieten lassen. Die Landesregierung hat vor zweieinhalb Jahren ihr Inklusionskonzept vorgelegt, das so intensiv beraten worden ist wie kaum ein anderes Dokument der Regierung. Es heißt darin, „dass sich eine inklusive Schule auf eine Schülerschaft in der ganzen Bandbreite ihrer Heterogenität ausrichten soll; diese Heterogenität steht generell für Vielfalt und schließt beispielsweise die Hochbegabung … ein“. Der Bericht der Landesregierung enthält eine Vielzahl von Maßnahmen, mit denen Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen in ihren Stärken gefördert werden können, ohne die Grundlage einer inklusiv arbeitenden Schule zu verlassen. Dazu kommen Programme zur außerunterrichtlichen Begabungsförderung, die ich hier nicht im Einzelnen referieren möchte. Ich will aber ausdrücklich der Zielbestimmung zustimmen, „dass Begabungsförderung als gelebte Unterrichtskultur in allen Schulen des Landes und als Aufgabe für jede Lehrkraft verankert wird“. Das ist aus unserer Sicht der richtige Weg, nicht aber eine Segregierung in so genannten „Hochbegabtenklassen“, die die CDU in ihrem Antrag fordert. Ihr Antrag fordert Dinge, die bereits umgesetzt werden oder die nach unserer Auffassung in die falsche Richtung gehen. Wir werden den Antrag daher ablehnen.

Mit den MINT-Fächern verbinden sich zwei Kernprobleme: Wie die Ländervergleiche im Rahmen von PISA und IQB gezeigt haben, sind die Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler auf dem richtigen Weg, aber immer noch ausbaufähig; IQB hat ferner gezeigt, dass die Resultate der schleswig-holsteinischen Schülerinnen und Schüler in der Vergangenheit etwas unter dem Bundesschnitt lagen, den Abstand aber aufholen. Davon nicht zu trennen ist die Tatsache, dass wir einen Fachlehrermangel haben der sich eher verstärken wird, besonders für die Fächer Mathematik und Physik.

Der Bericht zeigt, wie die Landesregierung dieses Problem angeht. Sicher ist, dass Werbekampagnen für die MINT-Fächer nicht ausreichen werden. Auch wenn die Einstellungschancen für diese Fächer mittelfristig gut bis sehr gut sind, würde ich nicht die Verantwortung auf mich nehmen, einem Abiturienten zu raten, Physik oder Chemie zu studieren, wenn diese Fächer nicht seine erste Wahl sind. Jemand sagte einmal: „Ein Lehrer muss für seine Fächer brennen“ – und das ist im Chemie-Unterricht wahrscheinlicher als in jedem anderen Fach - aber man kann nur da Höchstleistungen erbringen, wo man engagiert ist.

Wir sollten trotz des bevorstehenden Endes der Legislaturperiode beide Berichte in den Ausschuss überweisen. Auch dem Bildungsausschuss der 19. Legislaturperiode ist es nicht verboten, Berichte aus der 18. Legislaturperiode auf dem Weg der Selbstbefassung zur Grundlage seiner Beratungen zu machen und die darin genannten Vorschläge weiterzuentwickeln. Denn weder die Förderung von Schülern mit besonderen Begabungen noch der Fachlehrermangel in den MINT-Fächern enden am 07. Mai.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.