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Mehr Sicherheit für Fahranfänger!

Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

TOP 26: Modellversuch zum „Begleiteten Fahren ab 16“ (Drs-Nr.: 19/450)

Ich erinnere mich noch genau an die ersten Fahrten, die ich als Führerscheinneuling absolviert habe. Zwar absolut stolz, doch mit absolut fehlender Fahrpraxis wurde man eigentlich eher gefahren, als das man den Eindruck hatte, selbst Herr des Geschehens zu sein. Wem von uns hätte ein „Begleitetes Fahren“ nicht auch deutlich mehr Sicherheit gegeben und geholfen die physikalischen Kräfte des Autos, das man fährt, viel besser einzuschätzen. Mit 16 Jahren darf man mit einem Mal eine ganze Menge mehr als mit 15. 16 Jährige dürfen bei uns z.B. Bier, Wein und Sekt kaufen, bis 24 Uhr wegbleiben und den Führerschein der Klasse A1 erwerben. Damit können sie dann mit einem Kleinkraftrad mit bis zu 125 ccm und mit bis zu 11 kw unterwegs sein. Kleinkrafträder, die deutlich über 100 km/h schnell sind, dürfen 16 -Jährige alleine und ohne Begleitung fahren. Warum sie dann nicht auch an der Seite erfahrener Begleiter ein Auto steuern dürfen, leuchtet da wohl kaum ein.

Mein Sohn macht gerade seinen Führerschein. Er ist 17. Bis er den Führerschein dann hoffentlich im ersten Versuch bestanden hat, ist er vermutlich 17 ½ Jahre alt und wird nur noch ein halbes Jahr begleitet Auto fahren. Und genau dieser bei fast allen zu kurze Zeitraum nach dem Führerscheinerwerb überzeugt mich, dass ein Vorziehen auf 16 Jahre für ein begleitetes Fahren sinnvoll ist. So kann das begleitete Fahren nämlich deutlich über ein Jahr ausgeweitet werden. Niedersachsen und Brandenburg haben sich bereits durch eigene Initiativen auf den Weg gemacht, den Modellversuch begleitetes Fahren ab 16 zu starten. Hier muss man allerdings Wasser in den Wein gießen. Um das zu realisieren, muss dies eine EU-Richtlinie ermöglichen. Laut meiner Erkenntnisse nach Rücksprache mit EU-Verkehrspolitikern gibt es allerdings bisher noch nicht einmal eine Planung für diese Richtlinie. Erfreulicherweise nimmt die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Personen zwar Jahr für Jahr ab. Auffallend ist trotzdem immer noch die hohe Anzahl an jungen Männern und Frauen, die im Straßenverkehr verunglücken. 2016 waren es über 65.000 Männer und Frauen im Alter von 18-24 Jahren. 435 von ihnen wurden getötet. Insgesamt sind es immer noch fast 3.000 Personen, die auf unseren Straßen ums Leben kommen. Mein Wunsch ist die Vision Zero. Vision Zero ist das Ziel Straßen und Verkehrsmittel so sicher zu gestalten, dass keine Verkehrstoten oder Schwerverletzten auftreten und das begleitete Fahren ist ein Weg dorthin. Seit 2005 hat es den Modellversuch zum „Begleiteten Fahren ab 17“ gegeben und seit 2011 wird dieser bundesweit angeboten. Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Personen, die am begleiteten Fahren teilgenommen haben, sind deutlich weniger in Unfälle verwickelt.

Meine Tochter hat zufälligerweise ihr Austauschjahr in South Dakota zugebracht. Dort darf man schon ab 14 ½ Jahren alleine mit dem Auto fahren. Die Erzählungen, wenn sie dann mit ihrer 15 jährigen Gastschwester mit dem Auto unterwegs war, beunruhigten schon. In einem Bundesstaat, vergleichbar groß wie Großbritannien mit etwas über 800.000 Einwohnern, trifft man als Autofahrer aber auch kaum auf Konkurrenz auf den Straßen und bei den übergroßen Feldern muss man auch kaum Kurven fahren. Die gibt es bei uns zu Hauf und daher wäre der Schritt zu einem begleiteten Fahren ab 16 bei uns ein großer in Richtung mehr Sicherheit auf unseren Straßen und Sicherheit für Fahranfänger.

Für Führerscheinneulinge trifft die Aussage: „Früher war alles besser“, definitiv nicht zu. Nein, heute ist es besser, wenn wir an die Verkehrssicherheit denken und wir wollen diese Sicherheit mit unserem Antrag und einem begleiteten Fahren ab 16 steigern.