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Lehrergesundheit: Die Situation ist alarmierend

Es gilt das gesprochene Wort!

http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek/

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden:

TOP 32: Statuserhebung zur Arbeitsfähigkeit und Gesundheit aus der Sicht von Lehrkräften (19/631)

Es ist gut, dass dieser Bericht kein weiteres Mal vertagt wurde. Ich glaube, das hätten viele Lehrkräfte als Missachtung der Wichtigkeit dieses Themas verstanden. Die Ergebnisse sind für uns alles andere als beruhigend. Insgesamt 21 % der Lehrkräfte bescheinigen sich eine weniger gute oder gar schlechte Gesundheit. 28 % sind mit ihrer Arbeit unzufrieden. Fast die Hälfte beurteilt ihre eigene Arbeitsfähigkeit als mäßig oder gar schlecht. Man lernt bei solchen Berichten ja immer wieder etwas für seinen Wortschatz dazu. Der Begriff des Präsentismus – also der Anwesenheit in der Schule – hat sich in der Umgangssprache jedenfalls noch nicht durchgesetzt. Hier geben  92 % der Lehrkräfte geben an, dass sie in den letzten zwölf Monaten einmal oder öfter zur Arbeit gegangen sind, obwohl sie sich eigentlich so unwohl fühlten und hätten krankmelden sollen. Hier müssen wir auf alle Fälle genauer darauf schauen, da es definitiv nicht zumutbar ist, krank zur Arbeit zu gehen. Es kann ja sehr unterschiedliche Gründe geben, warum eine Lehrkraft die eigene Gesundheit hintenanstellt und trotz Erkrankung unterrichtet.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, Druck vom Arbeitgeber – also dem Ministerium – krank erscheinen zu müssen, gibt es wirklich nicht. Insofern muss es Druck aus der Schule oder von der Lehrkraft selbst sein: Vielleicht geht eine Lehrkraft krank zur Arbeit, weil sie weiß, dass z.B. sonst eine Vorbereitung für eine anstehende Klassenarbeit nicht ausreichend stattfinden kann und eine Klasse dann unter der eigenen Krankheit wegen mangelnder Vorbereitung zu leiden hätte. Es kann auch die Sorge sein, dass durch eigenes Fernbleiben aus der Schule andere Lehrkräfte in die Bresche springen müssen, die erkrankte Person vertreten und dadurch selbst mehr belastet werden. Ebenso sind die Zahlen für durch den Beruf empfundene Belastungen mit 96% der Lehrkräfte, die die Arbeit wegen Termin-bzw. Leistungsdruck als belastend empfinden, erschreckend hoch.

Mit einer Lehrerin verheiratet weiß ich, dass die Zahl der Konferenzen sehr starkgestiegen ist. Veränderte Schülerschaften führen zu deutlich mehr Klassenkonferenzen, eine deutlich größere Leistungsbreite führt zu deutlich mehr Fach- bzw. Teamkonferenzen. Und der Druck  für viele Schülerinnen und Schüler zwingend beste Zensuren zu erlangen, erhöht auch den Druck auf die Lehrkräfte, ihnen hier keine Steine in den Weg zu legen. Doch wer kontinuierlich unter zu hohem Leistungsdruck arbeitet, dem gehen Kreativität und notwendige Freude verloren. Unter den Faktoren, die einen negativen Einfluss auf die Arbeitsqualität ausüben, rangiert die Lärmbelastung ganz oben. Das kann mehrere Ursachen haben. Aber wenn die Lehrkräfte und Schüler unter den Bausünden der Vergangenheit leiden, die jeglichen Lärm im Klassenraum noch lauter klingen lassen, sollte das Land hier gezielte Investitionsmaßnahmen anbieten, durch die ein besserer Lärmschutz zu erreichen ist. Dabei stehen natürlich insbesondere die Schulträger als Zuständige für die Schulbauten und die sächliche Ausstattung in der Pflicht. Hier wäre es sinnvoll, wenn das Ministerium eine Richtlinie erarbeiten würde, wie Schulen ausgestattet sein sollten, damit ein für alle gutes Arbeiten möglich ist. Deshalb beantrage ich, den Bericht der Landesregierung in den Bildungsausschuss zu überweisen, wo wir auch über den Bericht hinaus die Frage der Gesundheit und der Arbeitsqualität unserer Lehrkräfte regelmäßig zum Thema machen sollten.