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Gemeinschaftsschulen sind kein Auffangbecken

Zur heutigen (17.09.2018) Berichterstattung in der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung über 1346 „Schrägversetzungen“ von Gymnasien auf Gemeinschaftsschulen erklärt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat: 

Zu den 578 Schülerinnen und Schülern, die nach der Orientierungsstufe vom Gymnasium auf die Gemeinschaftsschule schrägversetzt wurden, kommen auch noch zahlreiche andere, die freiwillig wechseln und von den Gemeinschaftsschulen „zwischendurch“ aufgenommen werden. Dass dem nur 45 Wechsel von einer Gemeinschaftsschule an ein Gymnasium gegenüberstehen, überrascht nicht. Schon zu Zeiten der Dreigliedrigkeit war die Möglichkeit der Durchlässigkeit in beide Richtungen eher theoretisch. Und heute sind eben auch die Gemeinschaftsschulen dazu in der Lage, ihre Schülerinnen und Schüler bis zum Abitur zu begleiten. Die Anne-Frank-Schule Bargteheide, Gemeinschaftsschule mit Oberstufe, gehört zu den elf weiterführenden Schulen in Schleswig-Holstein, die sich seit dem Schuljahr 2011/12 offiziell als Kompetenzzentrum Begabtenförderung Sek I und Sek II bezeichnen können.

Natürlich könnte man der schwächeren Hälfte der Schülerinnen und Schüler den Wechsel auf das Gymnasium untersagen. Das würde die Zahl der Schrägversetzungen vermutlich reduzieren, aber nicht zu mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem führen. Das Gegenteil ist im Jahr 2018 richtig: Gymnasien müssen Schülerinnen und Schüler, die ihnen anvertraut sind, verantwortungsvoll beschulen. Sie dürfen die Gemeinschaftsschulen nicht als Auffangbecken betrachten. Leider hat uns die Debatte zur Lehrkräftebildung aber gezeigt, dass Jamaika in eine andere Richtung arbeitet.