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Gegen den Missbrauch von Sonnwendfeiern durch Nazis

Zu den am nächsten Wochenende stattfindenden Sonnwendfeiern erklärt der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion gegen Rechtsextremismus, Tobias von Pein:

Am kommenden Wochenende werden an vielen Orten in Deutschland, besonders im Süden, Sonnwendfeiern stattfinden. Der Beginn des Sommers wird von vielen Menschen und von vielen Organisationen mit Freude gefeiert. Auch sozialdemokratische Ortsvereine in Bayern haben eine lange Tradition darin, den Sommer mit einem Fest zu begrüßen.

Aber jedes Fest kann auch missbraucht werden. So haben wir zum 1. Mai, dem Internationalen Festtag der Arbeiterbewegung, auch immer wieder rechtsextreme Aufmärsche erleben und verhindern müssen.

Das Gleiche gilt für die Sonnwendfeiern. Im Nationalsozialismus galten sie als Wiederbelebung angeblichen germanischen Brauchtums und wurden Bestandteil der Blut- und–Boden-Mystik der Nazis. In diese üble Tradition stellen sich auch heutzutage Rechtsextremisten, Neonazis und sogenannte „Identitäre“.

Es wäre ein schwerer Fehler zu glauben, dass es hier nur um skurrile Verkleidungsspiele als Wikinger und Hohepriester gehe. Rechtsextreme Sonnwendfeiern gingen in den letzten Jahren immer einher mit sogenannten „Feuerreden“, wie die dort gehaltenen ideologischen Brandreden genannt werden, und mit einer Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus, wenn z. B. das Tagebuch der Anne Frank öffentlich verbrannt wurde.

Die Polizei hat solche Veranstaltungen in der Vergangenheit regelmäßig aufgelöst, was natürlich voraussetzt, dass sie rechtzeitig davon wusste.

Sowohl die Behörden wie Polizei und Verfassungsschutz als auch die Zivilgesellschaft sind deshalb gut beraten, die Augen aufzuhalten und nicht zu glauben, solche Sonnwendfeiern liefen unter Narrenfreiheit.