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Durch offene Türen rennt es sich leichter!

Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek/

TOP 28: eSport auch in Schleswig-Holstein fördern (Drs-Nr.: 19/896)

E-Sport: Für die einen ist es „Neuland“ für die anderen gehört es seit über 20 Jahren zum Alltag. Anerkennung von E-Sport als Sport ist, auf Betreiben der SPD, ein Ziel der Großen Koalition Unser Koalitionsvertrag geht übrigens über ihren Antrag hinaus. Da geht es nicht nur um die steuerliche Anerkennung sondern auch um eine olympische Perspektive. Wegen E-Sport muss der MP also wirklich nicht nach Berlin fahren. Durch offene Türen rennt es sich aber bekanntlich leichter. Ihr Antrag stößt keine Debatte an, ist aber natürlich eine Gelegenheit auch regional Vorurteile abzubauen. „Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen“

Aber E-Sport ist doch gar kein Sport. Es ist irgendwas Ominöses was Jugendliche unter Kopfhörern sitzend in abgedunkelten Räumen treiben, dabei eine geordnete und gesunde Nahrungsaufnahme verweigern und sonst auch wenig bis gar nicht ansprechbar sind. Abgesehen davon, dass es bisher der besondere Reiz jeder Jugendkultur war, etwas in abgedunkelten Räumen zu machen was die Älteren nicht verstehen, ist das natürlich ein grobes Zerrbild. E-Sport ist aus dem Bedürfnis des Wettbewerbs mit anderen Menschen entstanden. Computergegner sind meistens doof oder beziehen ihre Spielstärke durch Betrügen. Schon Pong, der Urvater aller Videospiele, führte 1972 zu entsprechenden Wettbewerben. Mit Nullmodemkabel, Token-Ring, Ethernet und Internet nahm die Entwicklung von 1990 bis 2000 einen rasanten Verlauf bis zur Entwicklung einer internationalen Turnierszene einen ersten Höhepunkt erreichte. „Sport ist es nur, wenn man schwitzt“, auf diese einfache Formel lässt sich die bisherige Abwehr der Anerkennung des E-Sportes reduzieren. Ok, als ich noch 40kg-24 Zoll-Röhrenmonitore fünf Stockwerke zu Lan-Partys unter Dach hochschleppen musste, war der kraftsportliche Aspekt größer. Aber lässt sich Sport nur über Kraft und Ausdauer definieren? Was ist mit Curling oder bei den diversen Schießsportarten? Billiard ist olympisch nur nicht im Programm. Der Bundesfinanzhof findet 1997 eine andere Definition: „eine Körperbeherrschung – z.B. hinsichtlich des Wahrnehmungsvermögens, der Reaktionsgeschwindigkeit, der Feinmotorik –, die in der Regel nur durch Training erlangt und aufrechterhalten werden kann.“ Glauben Sie mir, genauso wenig, wie es eine gute Idee ist mit dem eigenen Kind Memory zu spielen, ist es, in meinem Alter einen trainierten 20jährigen zu einem Echtzeit-Spiel herauszufordern.

Professor Froböse von der Deutschen Sporthochschule hat festgestellt, dass trainierte Wettbewerbsspieler, viermal so viele Bewegungen pro Minute an Tastatur und Maus schaffen als ein Untrainierter. Und das auch noch asynchron. Die notwendige Hand-Auge-Koordination liegt über der von Profitischtennisspielern und die Herzfrequenz erhöht sich bis auf 180 Schläge pro Minute. Der sich anbahnende Siegeszug von Augmented Reality und der Kombination von VR Brillen mit omnidirektionale Laufbändern wird auch die Unterschiede weiter verwischen. Schon der Pokemon Go Hype hat nicht nur bei Jugendlichen sondern auch bei dem einen oder anderen Kollegen zur einen ungewohnten Bewegungsfreude an der frischen Luft geführt.

Klar, es gibt auch kritische Entwicklungen. In Südkorea sind die psychischen und physischen Anforderungen an Profispieler so hoch, dass sie nach 2 bis 5 Jahren ausgebrannt sind. Als Ausgleichssport für Schulstunden ist er sicher nicht geeignet, vielmehr brauchen E-Sportler selbst einen Ausgleichssport. Ja es gibt sie, die Gamer, die keine vernünftige Balance bei E-Sports finden. Aber ist es eine Lösung, diese in den besagten dunklen Zimmern zu lassen? Oder sollte es nicht besser ein Angebot im örtlichen Sportverein geben, das Hobby trainings- und ernährungstechnisch vernünftig zu betreiben? Zudem bringt es Gamer auch mit dem klassischen Sport in Berührung. In Asien wird E-Sport 2022 Teil der olympischen Asien Games und bei unserm Nachbarn Dänemark haben sich E-Sport und klassischer Sport zusammengetan und einen gemeinsamen Kodex veröffentlicht, der körperlichen Ausgleich und vernünftiges Training sichern soll. Und, die schlechte Nachricht an alle Gamer: Keine Energydrinks mehr! Naja Hauptsache Kaffee bleibt erlaubt. Sie schmücken sich aber mit fremden Federn, wenn sie in ihrem Antrag den Eindruck erwecken, als ob die Einrichtung einer E-Sports-Akademie an der FH Westküste eine Folge ihres Prüfauftrages sein würde. Die FH Westküste hat das doch selbst schon vor über einem Monat angekündigt. Und der MP hat die Unterstützung dabei zugesagt. Das Ergebnis ist also offenbar schon längst abgesprochen. Hm ist das nicht cheating und matchfixing? 

Zur sportlichen Fairness gehört aber auch, dass man die Betroffenen, wie den Landessportverband aber auch mit dem E-Sport Bund ins Gespräch kommt. Ich beantrage die Überweisung in den Innen- und Rechts- und in den Bildungsausschuss.