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Die Kreidezeit ist vorbei: Digitalisierung unserer Schulen ist eine Riesen-Chance

Es gilt das gesprochene Wort

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

TOP 16: W-LAN an allen Schulen bis 2021 (Drs-Nr.: 19/671)

2016 hatte die Regierung Albig in einer überarbeiteten Fassung der Digitalen Agenda zugesagt, die knapp 300 öffentlichen Schulträger beim Aufbau der digitalen Infrastruktur zu unterstützen und einen Breitbandanschluss an allen Schulen bis 2020 mittels Glasfaser umzusetzen. Die neue Regierung hat dieses Projekt glücklicherweise übernommen. Und die Regierung Albig hatte 2016 ein Konzept zum Lernen mit Digitalen Medien vorgelegt. Sie hat damit die Grundlagen geschaffen, auf denen in zwei Richtungen weitergearbeitet wurde und wird, nämlich die inhaltliche und die technische.

Die inhaltliche Seite ist die kostengünstigere, aber die schwierigere.

•           Die KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ muss von der Theorie in die Praxis umgesetzt werden.

•           Es müssen die Erfahrungen der 113 digitalen Modellschulen Schleswig-Holstein ausgewertet und übertragen werden.

•           Es muss an der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte gearbeitet werden, denn nach wie vor können in vielen Fällen die Schüler mit der Technik besser umgehen als ihre Lehrer.

•           Und ein Schwerpunkt muss in der Erziehung zum verantwortungsbewussten Umgang mit den Neuen Medien gelegt werden, denn in den Zeiten der Datenschleuder Facebook wird das Grundrecht auf Datenschutz ad absurdum geführt.

Die einfachere, aber kostenintensivere Seite ist vermutlich die Technik. Deutschland hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, aber im internationalen Vergleich liegen wir immer noch weit zurück. Beim Glasfaserausbau hatte der zuständige Bundesminister Dobrindt die Bundesrepublik nur knapp vor Jordanien platziert, was vermutlich einer der Gründe ist, warum er nicht mehr Minister sein darf. Noch vor ein paar Jahren teilten sich an deutschen Schulen im Schnitt 11,5 Schülerinnen und Schüler einen Computer; in Norwegen waren es 2,4 Schüler. Das kann nicht heißen, dass die Digitalisierung der Schule falsch wäre; es kann nur heißen, dass man sie besser gestalten muss. Und das fängt bei den materiellen Voraussetzungen an. Das betrifft zum einen die Endgeräte, bei denen es kein soziales Gefälle zwischen wohlhabenden und armen Familien geben darf. „Bring Your Own Device“ muss ergänzt werden durch entsprechende Unterstützungen für die Kinder und Jugendlichen, die zu Hause kein für den Unterricht geeignetes „own device“ besitzen.

Aber das schönste Endgerät nützt nichts, wenn an der Schule kein brauchbares WLAN vorhanden ist. Es muss sichergestellt sein, dass man in den Schulen in allen Räumlichkeiten, in denen Unterricht oder Unterrichtsvorbereitung stattfindet, auch ins Netz kann.

Im Abschlussbericht zur Umsetzung des Projektes „Lernen mit digitalen Medien“ (18/5218) wurde beispielsweise die Erweiterung der Nutzungsorte von digitalen Medien in der Schule, u.a. im Ganztagesbetrieb oder im Rahmen außerunterrichtlicher Gelegenheiten explizit als Entwicklungsbereich genannt. Einige Schulen sind da schon recht weit, manche für den Moment sogar fertig. Trotzdem ist das für ganz Schleswig-Holstein betrachtet ein ehrgeiziges Projekt und es gehört zu den Leistungen der Großen Koalition auf Bundesebene, dass sie in den nächsten fünf Jahren insgesamt 5 Milliarden Euro, die die Mittel der Länder und der Kommunen ergänzen, für die Digitalisierung der Schulen zur Verfügung stellen wird. Wenn diese Mittel fließen, müssen sie schnell umgesetzt werden. Deshalb ist es erforderlich, dass sich das Land und die Vertreter der kommunalen Schulträger frühzeitig an einen Tisch setzen und über die Umsetzung dieser Mittel miteinander reden. Auch wenn sich diese Landesregierung die Entdeckung der Langsamkeit auf die Fahnen geschrieben hat, sollte ein derartiges Konzept, das von den 273 öffentlichen Schulträgern mitgetragen wird, möglichst bald Gegenstand der Beratungen des Landtags sein.

Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.