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Die Fähigkeit, Sprache einzusetzen, ist wesentliche Grundlage für ein soziales Miteinander und soziale Teilhabe!

Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html

TOP 32: Integration durch gute „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ-)Angebote (Drs-Nr.: 19/382, 19/433)

"Seit dem Jahr 2000 wird auf Vorschlag der UNESCO am 21. Februar der Tag der Muttersprache begangen. Der Anlass war, dass man auf das langsame Schwinden der weltweit 6.000 Sprachen hinweisen wollte. Bei DaZ geht es nun allerdings definitiv nicht um die Muttersprache, sondern wie der Name schon sagt um die Zweitsprache. Allerdings ist der Kern ein ähnlicher. Die Fähigkeit, Sprache einzusetzen, ist wesentliche Grundlage für ein soziales Miteinander und soziale Teilhabe. Für Kinder und Jugendliche, deren Muttersprache nicht die deutsche Sprache ist, ist hier vor Ort die Fähigkeit der deutschen Sprache der absolut wesentliche Schlüssel zur Integration.

Die Koalitionsfraktionen haben zu den DaZ-Angeboten einen Antrag vorgelegt, dem das seltene Glück widerfahren ist, unverändert so aus dem Bildungsausschuss herausgekommen zu sein, wie er hineingegangen ist. DaZ-Angebote sind nun überhaupt nichts Neues. Die ersten wurden schon 2002 eingerichtet, aber in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses sind sie eigentlich erst in den letzten drei Jahren geraten, entsprechend dem sprunghaften Anstieg der Flüchtlingszahlen. Das erforderte eine schnelle Ausweitung der Angebote, aber auch begleitende Maßnahmen, wie die Weiterqualifizierung der Lehrkräfte und die stärkere Verankerung von DaZ in der Ausbildung der künftigen Lehrerinnen und Lehrer. Alle noch so schönen Rahmenrichtlinien würden nichts nützen, wenn sie an den Schulen nicht umgesetzt würden. Aber ich glaube, jeder von uns hat schon Gelegenheit gehabt, DaZ-Zentren in seinem Wahlkreis oder anderswo zu besuchen und sich davon zu überzeugen, was für eine großartige Arbeit dort geleistet wird. Und ich bedanke mich deshalb ausdrücklich bei allen beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen und bei allen anderen Mitwirkenden sehr dafür, dass DaZ in Schleswig-Holstein bei allen Problemen, die es noch immer geben mag und auch in Zukunft geben wird, eine Erfolgsgeschichte ist. Es ist gut, dass die neue Landesregierung auf dem in der vergangenen Legislaturperiode Erreichten aufbaut und dabei weitere Schwerpunkte setzt.

Natürlich ist die Schülerschaft, die im Rahmen der Fluchtmigration zu uns gekommen ist, genauso heterogen wie die bereits vorhandene – nur dass viele junge Geflüchtete zusätzliche Belastungen wie Kriegstraumata, Trennung von ihren Familien und noch vieles andere mehr mit sich herumtragen, das sie erst einmal bewältigen müssen. Dass unter diesen vielen Kindern und Jugendlichen auch solche mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind, ist selbstverständlich, und auch die DaZ-Angebote müssen sich darauf einstellen. Viele junge Menschen, die zu uns geflohen sind, können bereits sehr gut lesen und schreiben, nur eben nicht im lateinischen Alphabet. Es ist eine zusätzliche Herausforderung, sich das lateinische Alphabet anzueignen; für Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten geht es schon einmal damit los, dass sie nicht wie gewohnt von rechts nach links, sondern von links nach rechts schreiben lernen müssen. Wir sind der Auffassung, dass sich jede Schule der Aufgabe der Inklusion stellen muss; das gilt auch gegenüber Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Viele der Schulen in freier Trägerschaft tun dies bereits, aber noch nicht alle. Sie sollten daher Unterstützung dabei erhalten, auch in ihrem Kurrikulum „Deutsch als Zweitsprache“. DaZ ist ein lernendes, sich entwickelndes System, an dem wir auch in Zukunft immer wieder etwas finden werden, was wir miteinander verbessern können.

Meine Fraktion wird, wie schon im Bildungsausschuss, dem Antrag zustimmen."