PDF-Version Drucken

Die Deutsch-Dänische Zusammenarbeit ist ein Musterbeispiel dafür, wie Probleme grenzübergreifend gelöst werden können

REDE ZU PROTOKOLL gegeben!

TOP 19: Bewerbung immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe „Deutsch-dänisches Grenzland“ unterstützen

Der Schutz lebendiger Kulturformen durch die UNESCO war ursprünglich eine Antwort auf den materiellen Kulturerbe-Begriff, der sich vor allem an repräsentativen Bauwerken in Europa festmachte. Erst später wurde das Konzept eines immateriellen Kulturerbes auf die zahlreichen ethnischen Kulturen Europas bezogen. Deutschland hat das Übereinkommen mit der UNESCO 2013 unterzeichnet. Unser Land ist bisher durch zwei so verschiedene Dinge wie die Genossenschaftsidee und den Orgelbau vertreten. Das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ist hingegen mit derzeit 68 Projekten wesentlich länger. Wir finden darin so sympathische Dinge wie das Singen deutscher Arbeiterlieder, das niederdeutsche Theater und das Biikebrennen. Aber auch der für uns hier vielleicht eher seltsam anmutende rheinische Karneval und der Rattenfänger von Hameln wurden aufgenommen.

Die Idee, das Zusammenleben im deutsch-dänischen Grenzland auf die Liste der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe zu setzen, ist bereits 2016 entstanden und auf den Weg gebracht worden. Ethnische Konflikte flammen weltweit immer wieder auf. In Europa sind heute dank der europäischen Integrationsleistung die meisten dieser Konfrontationen friedlich überwunden, aber einige sind nach wie vor virulent, und manche melden sich auch wieder zurück– man denke nur an Katalonien. Gerade vor dem Hintergrund der weltweiten Konflikte ist es nach unserer Überzeugung sehr sinnvoll, das, was wir im deutsch-dänischen Grenzbereich erreicht haben und was auch längst politisch vollkommen unstrittig geworden ist, als Kulturerbe weltweit zur Diskussion zu stellen.

Das deutsch-dänische Grenzland ist ein besonderes und positives Beispiel, wie ein lang andauernder Grenzkonflikt friedlich beigelegt werden konnte und wie zugleich die Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze weder vertrieben noch assimiliert wurden, sondern ihre Eigenständigkeit bewahren können. Wir haben das Glück, dass unser Grenzland gestärkt aus dem ehemaligen Konflikt hervorgegangen ist. Die Minderheiten unseres Grenzlandes haben darüber hinaus und vereint Brücken gebaut und Wege geebnet. Sie haben das Leben im Grenzland geprägt.

Als ehemaliger Rektor der Flensburger Universität und Förderer der deutsch-dänischen Studiengänge und der Hochschulkooperation der Grenzregion weiß ich auch, dass diese grenzüberschreitende Kooperation das alltägliche Leben nicht nur an den Hochschulen prägt und verändert hat. Den Minderheiten haben wir, Deutsche und Dänen, es  zu verdanken, dass in unseren Ländern einen Reichtum an Sprachen und Kulturen gibt. Diese Vielfältigkeit ist keine Selbstverständlichkeit und vom Gegeneinander über das Miteinander zum Füreinander gewachsen ist. Deshalb war es uns Sozialdemokraten auch wichtig, auf verschiedenen Veranstaltungen in den letzten Wochen Unterschriften für die Bürgerinitiative Minority Safepack und damit für die Stärkung der Minderheitenrechte zu sammeln. Wir wissen in unserer Grenzregion um die Bedeutung der Minderheiten und stehen deshalb auch für die Unterstützung aller Minderheiten in Europa. Wir können heute nicht voraussagen, ob die UNESCO diesem Vorschlag Folge leisten wird. Aber selbst wenn die Initiative des Bundes Deutscher Nordschleswiger und der Sydslesvigsk Forening keinen Erfolg haben sollte, wird dieser Antrag einen Beitrag dazu leisten, das Modell „Dänisch-deutsche Grenzlandbeziehungen“ in Europa besser bekannt zu machen und zu verankern. Es ist ein sehr gutes Zeichen, wenn die demokratischen Parteien in diesem Parlament gemeinsam ein klares Zeichen der Unterstützung setzen. Wir wünschen dem Antrag auf jeden Fall viel Erfolg!