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Der AfD geht es gar nicht um das Opfer

Zur aktuellen Stunde erklärt der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Kai Dolgner:

Mit Entsetzen mussten wir von der versuchten Tötung einer 34jährigen Frau durch ihren Partner in der Landesunterkunft in Boostedt erfahren und wir sind froh, dass das Opfer inzwischen das Krankenhaus verlassen konnte und der mutmaßliche Täter in der JVA auf sein Strafverfahren wartet. Familientragödie oder Beziehungsdrama sind verharmlosende Begriffe, die leider immer noch benutzt werden, wenn eine Frau Opfer ihres Partners wird, nur weil diese versucht hat, den Machtbereich des Mannes zu verlassen. Eine „Tragödie“ oder ein „Drama“ impliziert aber immer auch eine Mitschuld der Frauen. Deshalb ist die richtige Bezeichnung hier Frauenmord bzw. Feminizid! Durchschnittlich jeden Tag wird eine Frau Opfer eines Feminizids oder eines versuchten Feminizids durch ihren Partner. Frau von Sayn-Wittgenstein versucht auf ihrer Homepage bewusst den Eindruck zu erwecken, dass Gewalt gegen Frauen nicht ein Gesamtproblem der Gesellschaft sei, sondern ausschließlich von Männern aus dem islamischen Kulturkreis ausginge. Ein Frauenmord durch den Partner entspringt sehr häufig aus einem archaisch-patriarchalischen Frauenbild des Täters. Hinzu kommen soziostrukturelle Faktoren, wie schwierige sozialen Lagen und mangelnde Bildungs- und ökonomische Ressourcen. All das erhöht das Risiko für eine Frau Gewaltopfer in der Partnerschaft zu werden. Es ist eine kriminologische Binsenweisheit, dass Zuwandererfamilien diesen Faktoren überproportional ausgesetzt sind. Aber auch wenn der Täter Heinz oder Klaus heißt, finden wir häufig die gleichen Rechtfertigungsmuster, die gleichen soziostrukturellen Faktoren und das gleiche archaisch-patriarchalisches Frauenbild. Die höchsten Frauenmord-Raten in Partnerschaften finden sich übrigens im christlich geprägten Lateinamerika. Aber auch Deutschland liegt im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. Aber all das interessiert die AfD natürlich nicht. Dieser Partei geht es aber gar nicht wirklich um die Opfer, sonst würde sie über alle ca. 400 jährlichen Fälle reden.