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Benennung einer Hochschule ist mehr als reine Namenskosmetik

REDE ZU PROTOKOLL GEGEBEN!

TOP 12: Gesetz zur Änderung des Hochschulgesetzes

Die Benennung einer Hochschule ist durchaus mehr als Namenskosmetik. Es geht bei der Benennung auch um die Frage, wofür eine Hochschule steht, welches Profil sie hat – die Benennung einer Hochschule hat somit auch etwas mit Identitätsbestimmung und -findung zu finden. Insofern ist es gut und richtig, dass sich Hochschulen Gedanken über den Namen machen und dies sollte gerne auch der autonomen Entscheidung der Hochschulen überlassen sein – wenn der Name denn dem Profil angemessen ist. Bereits im Mai 2016 hat sich die Fachhochschule Flensburg in Hochschule Flensburg umbenannt. Ob das wirklich eine profilierte Namensgebung war, müssen die Hochschule und andere entscheiden. Es war keine besonders strittige Angelegenheit; an der Feier zur Umbenennung nahm auch unsere damalige Wissenschaftsministerin Kristin Alheit teil. Aber es entsprach nicht ganz dem Hochschulgesetz, das die staatlichen Hochschulen mit Namen aufführt. Bei den Namensveränderungen geht es natürlich auch um das Verhältnis von Universitäten und Fachhochschulen und die Namensgebung sollte nicht dazu genutzt werden, Gräben zwischen den Hochschultypen aufzureißen oder zu zementieren.

Als ehemaliger Rektor der Europa-Universität Flensburg, die ihren Namen ja auch mehrfach geändert hat, weiß ich sehr wohl, dass es auch beharrende Kräfte gibt, für die der Graben zwischen Universitäten und Fachhochschule gar nicht tief genug sein kann. Die Vorstellung, dass Forschung ein Monopol der Universitäten sei und dass Fachhochschulen so eine Art akademische Berufsschule seien, ist jedenfalls Vergangenheit.

Die Küstenkoalition hat mit der Einführung des Promotionskollegs und mit der Öffnung von Promotionsmöglichkeiten für FH-Absolventinnen und Absolventen einen u.E. wichtigeren Beitrag zur Überwindung des Grabens geleistet als mit der Einführung eines neuen Türschildes. Das hat auch Widerspruch gefunden, aber wir sind davon überzeugt, dass es ein richtiger Weg ist, den auch immer mehr Bundesländer einschlagen werden.

Der Gesetzentwurf der Koalition vollzieht in Punkt 1 die bereits erfolgte Umbenennung der Flensburger Hochschule nach und schafft in Punkt 2 die Möglichkeit für die Fachhochschulen, die immer noch so heißen, sich eine andere Bezeichnung zu geben. Als Standard wird hierbei „Technische Hochschule“ vorgeschlagen.

Das wird das Dilemma der Fachhochschulen nicht gänzlich lösen, ihren Namen so in Fremdsprachen zu übersetzen, dass der strukturelle Unterschied für Ausländer ohne weiteres verständlich ist. Der häufig verwendete Namenszusatz „University of Applied Sciences“ trägt nicht immer zur Klarheit bei. Aus unserer Sicht ist der Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen richtig. Ich gehe davon aus, dass wir uns im Ausschuss sehr schnell darüber verständigen können.