Im Bildungsausschuss des Bundestages diskutierten Experten über Studiengebühren.
Die Expertenliste zum Thema Studiengebühren war lang. Das Spektrum reichte vom Bayerischen Staatsminister und Gebührenfreund Wolfgang Heubisch (FDP) bis zu erklärten Gegnern eines gebührenpflichtigen Studiums wie Erik Marquardt, Mitglied im Vorstand des Freien Zusammenschlusses der StudentInnenschaften (fzs) und Matthias Anbuhl vom Deutschen Gewerkschaftsbund.
Die zentrale Frage: Nützen oder schaden Studiengebühren? Verhindern sie den Bildungserfolg von Kindern aus einkommensschwachen Familien?
Studiengebühren sind seit zehn Jahren ein Reizthema. 2005 haben Hamburg, Hessen, das Saarland, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg Studiengebühren eingeführt. Nach verschiedenen Regierungswechseln sind sie inzwischen fast überall wieder abgeschafft. Nur zwei Länder halten derzeit daran fest: Bayern und Niedersachsen.
Wer aber eindeutige Antworten erwartete, wurde enttäuscht! Die Experten fanden sowohl für die eine als auch für die andere Überzeugung wortreiche Interpretationen. Weder Schaden noch Nutzen konnten wissenschaftlich zweifelsfrei nachgewiesen werden. Am Vortag der Diskussion hatte schon das Bundesbildungsministerium eingeräumt, keine Informationen über den Nutzen von Studiengebühren zu haben.
Andreas Schleicher, oberster Bildungsforscher der OECD, verweist vielmehr auf „soziale Disparitäten“ vor dem Hochschuleintritt. Die deutschen Schulen sorgten dafür, dass Bildung noch immer eine Frage der sozialen Herkunft sei und Akademikerkinder es viel öfter an die Unis schafften als Kinder aus bildungsfernen Familien.
Fazit: „Dass keine abschreckende Wirkung festzustellen ist, heißt nicht, dass Studiengebühren nicht abschrecken.“ Und da ein Nutzen auch nicht festzustellen ist: weg damit! Vielleicht lernen Bayern und Niedersachsen das auch noch!
