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Oberstufen an Gemeinschaftsschulen

Die Landesregierung hat in dieser Wahlperiode 18 Oberstufen an Gemeinschaftsschulen zusätzlich genehmigt. Vorausgegangen ist jeweils ein entsprechender Beschluss des Schulträgers im Einvernehmen mit der Schule und der festgestellte Bedarf. In den Oberstufen an allen drei Schularten, die zum Abitur führten (Gemeinschaftsschule, Gymnasium, berufliches Gymnasium), haben sich die Schülerzahlen seit dem Schuljahr 2010/2011 von rund 37.000 auf 45.600 im laufenden Schuljahr erhöht. Das ist positiv zu bewerten, denn Deutschland hat zu wenige junge Menschen mit akademischer Qualifikation, und Schleswig-Holstein ist im Bundesvergleich leider immer noch ein wenig zurück. Also gibt es Handlungsbedarf.

Die neuen Oberstufen sollen nach drei Jahren die notwendige Schülerzahl erreichen; das ist bei der Mehrzahl von ihnen auch der Fall. Ausnahmen sind die Standorte Sandesneben, Nortorf und Bordesholm. An den Gemeinschaftsschulen in Handewitt und Kellinghusen haben in den neuen Oberstufen bereits die ersten Jahrgänge das Abitur abgelegt, bei zehn weiteren stehen in diesem Schuljahr die ersten Abiturprüfungen an.

Die Opposition wirft uns gerne vor, an unseren Schulen gäbe es ein „Billig-Abitur“. Das ist völlig daneben! Die Anforderungen an das Abitur sind an allen drei Schularten gleich hoch. Ein schleswig-holsteinisches Abitur ist nicht weniger wert als eines aus Baden-Württemberg oder Berlin.

Der Zustrom zu den Gemeinschaftsschulen als Weg zum Abitur hält unvermindert an. Aber auch an den anderen beiden Schularten sind die Schülerzahlen in der Oberstufe gestiegen. Deshalb ist auch der zweite Vorwurf, die Oberstufen an Gemeinschaftsschulen gingen auf Kosten der Gymnasien, widerlegt. Das Abitur ist ein Erfolgsmodell – egal, an welcher Schule.

In der Presse hat ein Punkt besondere Aufmerksamkeit gefunden, nämlich die Profilangebote an den Oberstufen der Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Die Einrichtung von Oberstufenprofilen hängt aber nicht nur vom Angebot, sondern auch von der Nachfrage ab. An den Gemeinschaftsschulen sind überall gesellschafts- und naturwissenschaftliche Profile, meist auch sportliche und etwas weniger häufig ästhetische Profile eingerichtet worden, wobei die sprachlichen Profile leider auf der Strecke geblieben sind und nur in Flensburg, Tornesch, Reinfeld und Bad Oldesloe tatsächlich eingerichtet wurden. Das ist sicher keine ideale Entwicklung. Aber dieses Defizit spricht nicht gegen die Existenz der Oberstufen an Gemeinschaftsschulen. Vielmehr werden aufwachsende Schülerzahlen es auch ermöglichen, an der einzelnen Schule mehr als die bereits vorhandenen Profile einzurichten.