Drucken

Inklusion: Wieder ein Schritt weiter beim gemeinsamen Lernen

Die rot-grün-blaue Koalition fördert die Inklusion an Schulen, denn „gemeinsames Lernen ist ohne Inklusion nicht denkbar. Inklusion ist ein Menschenrecht, das vom Erleben, dem Mitmachen und der Selbstverständlichkeit im Alltag lebt.“ So steht es im Koalitionsvertrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und SSW.

Mit den 542 Schulassistentinnen und -assistenten, die ab jetzt an den Start gehen, kommen wir diesem Ziel ein Stück näher. Jede Grundschule in Schleswig-Holstein erhält eine Schulassistenz. Diese hilft bei der Umsetzung von Arbeitsaufträgen, wirkt bei spezifischen Fördermaßnahmen für Gruppen oder einzelne Schülerinnen und Schüler sowie bei Projekt- und Sporttagen, bei Schul- und Klassenfesten mit. Dadurch können die Kinder individuell gefördert und die Lehrerinnen und Lehrer entlastet werden. Die Koalition hat für diese neuen Kräfte 13,2 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

„Unser Ziel sind Schulen, die offen sind für alle jungen Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit. Es ist deshalb richtig, die Schulen zu stärken“, sagt Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Die Assistenzkräfte sind Teil der multiprofessionellen Teams an den Schulen, die die Lehrkräfte unterstützen und zu denen auch Schulsozialarbeiterinnen und Schulpsychologen gehören. Die Schulsozialarbeit wird vom Land nach Auslaufen der Bundesmittel mit jährlich 17,8 Mio. Euro finanziert; der schulpsychologische Dienst ist von 17 auf 32 Stellen fast verdoppelt worden.

„Mit der Einführung der Schulassistenz arbeiten wir weiter an einem Paradigmenwechsel: Es soll nicht mehr erst ein ‚Mangel‘ bei einem Kind festgestellt werden, um die erforderlichen Ressourcen zu erhalten. Schon gar nicht sollen ohnehin schwer belastete Eltern von Pontius zu Pilatus laufen, um Unterstützung zu erreichen. Noch ist das Ziel fern, aber wir sind auf dem Weg“, so Martin Habersaat.

Die Förderzentren bleiben erhalten. Sie beraten und unterstützen die Experten an den Schulen. Ihre Aufgaben werden entsprechend der Umsetzung der Inklusion angepasst und weiterentwickelt.

Als nächste Schritte auf dem Weg zu einer umfassenden Inklusion hat Bildungsministerin Britta Ernst sechs Handlungsfelder benannt:

Regionale Kooperationen sollen ausgebaut werden und so Netzwerke von Förderzentren entstehen, die Aufgaben und Beitrag der einzelnen Förderzentren koordinieren.

Wie die sonderpädagogischen Mittel und Hilfen (Ressourcen) gesteuert werden, soll verlässlicher und transparenter werden.

Die sonderpädagogische Diagnostik soll weiterentwickelt werden, um den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler im gemeinsamen Unterricht optimal zu unterstützen.

Zur Weiterentwicklung des Förderschwerpunktes geistige Entwicklung sollen Kooperationen zwischen den entsprechenden Förderzentren und jeweils einer allgemein bildenden Schule ausgebaut werden.

Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen die Möglichkeit erhalten, stärker und aktiver mitzuwirken.

Ein externes Gutachten soll Vorschläge erarbeiten, wie der Übergang von der Schule in den Beruf speziell für Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf verbessert werden kann.

Hintergrund:

Von den insgesamt 247.096 Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein (Daten aus dem Schuljahr 2014/2015) bedurften 16.616 (das sind 6,72 %) sonderpädagogischer Förderung. Von diesen wiederum wurden gut zwei Drittel inklusiv beschult – 9.047 mit dem Förderschwerpunkt Lernen und 3.547 mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.

Inklusion bedeutet Zugehörigkeit und steht im Gegensatz zu Ausgrenzung: Wenn Menschen mit oder ohne Behinderung zusammen leben, lernen, wohnen, arbeiten, ihre Freizeit gestalten, wenn also jede/r überall dabei sein kann – dann ist das gelungene Inklusion. Die UN-Behindertenrechtskonvention hat Inklusion als Menschenrecht definiert. Deutschland hat diese Vereinbarung unterzeichnet, sich somit zur Umsetzung verpflichtet. Schleswig-Holstein hat bereits 1990 damit begonnen, allgemein bildende Schulen auch für Kinder mit besonderem Förderbedarf zu öffnen; seitdem gibt es im Schulgesetz ein Wahlrecht für Eltern, ob sie ihr Kind an eine Förderschule oder eine allgemeinbildende Schule geben wollen. Seit 25 Jahren ist die Integrationsquote in jedem Jahr gestiegen. Jetzt befinden wir uns auf dem Weg von der Integration zur Inklusion.